Geburtsschmerz

Viele werdende Mütter sehen der Geburt aus Angst vor der unbekannten Situation mit Unsicherheit entgegen. Um besser mit Geburtsschmerzen umgehen zu können, hilft es, den Ursprung und die beeinflussenden Faktoren zu kennen.

Der Geburtsschmerz ist eine der intensivsten Formen des Schmerzes. Er verläuft in rhythmischer Art und kann analog zur Geburt in drei Phasen unterteilt werden:

• die Dehnung des Muttermundes
• die Dehnung des Beckenbodens
• und die Dehnung des Dammes

Diese verschiedenen Reize lösen unterschiedliche Schmerzempfindungen aus.

Ängste abbauen

Der Geburtsschmerz ist mehr als nur die Weiterleitung von Reizen der Schmerzrezeptoren. Der Reiz wird im Hirn interpretiert. An dieser Interpretation sind emotionale, kulturelle, soziale und motivationale Faktoren beteiligt. So beeinflusst beispielsweise Angst als emotionaler Faktor die Intensität des Geburtsschmerzes. Ängste führen zu Verspannungen. Diese verstärken die Schmerzen, da sie Endorphine (vom Körper selbst produzierte Schmerzmittel) herabsetzen. Das wiederum steigert die Ängste, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Auch Unwissenheit kann Ängste schüren. Eine individuelle Vorbereitung auf die Geburt trägt deshalb wesentlich zur Schmerzlinderung bei. Während der Vorbereitung können verschiedene Arten von Entspannungs- und Atemtechniken gelernt werden.

Umgekehrt können positive emotionale Empfindungen den Schmerz lindern, Ängste auflösen und zur Entspannung beitragen. Es wird davon ausgegangen, dass dies durch einen anderen, vom Glückshormon Dopamin gesteuerten Schaltkreis im Hirn geschieht.

Vertrauensvolle Begleitung sicherstellen

Fühlt sich eine Frau während der Geburt alleingelassen, so entstehen Gefühle wie Panik, Verzweiflung und Angst. Fachpersonen können der Frau die Unsicherheit abnehmen, indem sie ihr einen professionellen Ablauf der Geburt garantieren und ihr Vertrauen in die Gebärfähigkeit stärken. Der Partner oder eine andere Person des Vertrauens übernimmt die Aufgabe des emotionalen Beistands. Eine gute Atmosphäre im Gebärsaal, bei der die Frau und ihre begleitende Person in alle Entscheidungen einbezogen werden, verhindert das Gefühl der Ohnmacht.

Schmerzmittel

Neben emotionaler Unterstützung kommen natürlich auch verschiedene Schmerzmittel zum Einsatz:

- Patientenkontrollierte Analgesie
Bei dieser Methode kann sich die Gebärende per Knopfdruck über eine Infusion selbst ein Schmerzmittel verabreichen. Das verabreichte Medikament heisst Remifentanil (Ultiva) und ist ein potentes, ultrakurz wirksames Morphinderivat. Die Infusion kann in wenigen Minuten angeschlossen werden und garantiert die Mobilität der Gebärenden. Das Mittel wirkt sehr schnell und wird vom Körper äusserst rasch wieder abgebaut. Das bedeutet Sicherheit für Mutter und Kind. Das Salem-Spital ist übrigens schweizweit das erste Spital, 
das Remifentanil in der Geburtshilfe angewendet hat. Es verfügt dadurch über die höchsten Erfahrungswerte. Mittlerweile wird die Methode auch an 16 anderen Schweizer Spitälern angeboten.

- Regionalanästhesie
In der Geburtshilfe kommen die Periduralanästhesie (PDA), die Spinalanästhesie oder eine Kombination beider Verfahren zum Einsatz.

- Periduralanästhesie
Unter örtlicher Betäubung wird bei der PDA im unteren Bereich der Wirbelsäule ein sehr dünner Kunststoffschlauch zwischen zwei Wirbeln in die Nähe der Rückenmarkshaut eingeführt. Über diesen Schlauch können nach Bedarf Mittel zur örtlichen Betäubung gegeben werden. Diese Mittel umspülen die von der Gebärmutter zum Rückenmark führenden Nerven und betäuben so den Wehenschmerz bei der Geburt.

- Spinalanästhesie
Bei der Spinalanästhesie wird – wie bei der PDA – unter örtlicher Betäubung eine besonders feine Nadel zwischen den Wirbeln bis zur Rückenmarkshaut vorgeschoben und diese durchstossen. So kann das Mittel zur Betäubung direkt in die Flüssigkeit gespritzt werden, die das Rückenmark umgibt.

- Kombinations-Behandlung
Beide Verfahren können sowohl bei einer Spontangeburt wie auch bei einem Kaiserschnitt angewendet werden. Sie werden in der Regel miteinander kombiniert, sodass der Wirkungseintritt schnell erfolgt und gleichzeitig die Schmerzlinderung beliebig lange durchgeführt werden kann.

Kompetentes Team

Die komplexen Vorgänge, durch die während der Geburt die Hormone Oxytocin, Endorphin, Adrenalin und Dopamin ausgeschüttet werden, sind noch nicht alle bis ins Detail erforscht. Wir können im Gegensatz zu früher jedoch viel unternehmen, um den Schmerz zu lindern und die Vorfreude und das Vertrauen in eine schöne Geburt und einen guten Start in die Mutterschaft zu unterstützen. Dazu ist das Team der Maternité für die gebärende Frau und ihren Partner rund um die Uhr da.

Alternative Schmerztherapien

Natürliche Methoden der Schmerzlinderung dienen dazu, die werdende Mutter über die verschiedenen Sinne zur Entspannung zu führen. Dazu gehören unter anderem:
• Atemtechniken und Entspannungsübungen
• Bewegungstherapie, alternative 
Geburtspositionen
• Physikalische Massnahmen (Wassergeburt, 
Wickel, Massagen)
• Akupunktur
• Homöopathie
• Aromatherapie
• Musik

Beitrag von Dr. med. Metascha Stierli, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.