IVF und ICSI: Was ist der Unterschied?

ICSI steht für intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Bei dieser besonderen Methode der künstlichen Befruchtung wird eine Eizelle im Labor direkt mit einer ausgesuchten Samenzelle befruchtet. Eine ICSI-Behandlung wird durchgeführt, wenn die Spermienqualität des Mannes vermindert ist oder eine eingeschränkte Anzahl und Beweglichkeit der Spermien vorliegt.

Bei einer herkömmlichen In-Vitro Fertilisation (IVF) werden zehntausende Samenzellen mit der Eizelle im Reagenzglas zusammengebracht. Ist die Spermienqualität des Mannes ungenügend, oder werden nicht ausreichend Samenzellen produziert, ist eine herkömmliche IVF nicht erfolgversprechend. Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) hingegen schon: Der Vorteil dieser Behandlungsmethode liegt darin, dass nur eine einzige Samenzelle benötigt wird. Diese eine Samenzelle wird im Labor selektiert und mit einer Mikronadel direkt in die Zellflüssigkeit der Eizelle gespritzt. Die Eizelle wird vom Biologen also gezielt mit einer ausgewählten Samenzelle befruchtet. In der Schweiz wurden im Jahr 2015 81% aller IVF-Zyklen mit ICSI durchgeführt, Tendenz steigend.

Die Ärzte und medizinischen Experten von Hirslanden verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Durchführung von IVF- und ICSI-Behandlungen und sind speziell geschult im Umgang mit den unterschiedlichen kulturellen Anforderungen und Erwartungen internationaler Patienten.

Behandlung

Der Behandlungsablauf einer ICSI ist ähnlich wie bei einer herkömmlichen IVF: Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch mit Ihrem Hirslanden-Arzt überprüft er die Spermienqualität des Mannes und führt bei der Frau eine Hormonbehandlung durch. Das verhindert einen vorzeitigen Eisprung und regt die Eierstöcke an, mehrere Eibläschen gleichzeitig reifen zu lassen. In den folgenden zwei Wochen prüft Ihr Arzt bei regelmässigen Kontrolluntersuchungen, wie weit die Eizellen herangereift sind und ob der Eisprung ausgelöst werden kann. Ist dieser Moment gekommen, entnimmt Ihr Arzt die Eizellen aus den Eierstöcken. Dieser Eingriff erfolgt ambulant in der Praxis Ihres Hirslanden-Arztes, und Sie können die Klinik noch am selben Tag verlassen.

Der Mann gibt gleichentags eine Samenprobe ab. Diese wird mit verschiedenen Methoden wie z.B. der sogenannten physiologischen Spermienselektion aufbereitet, um die geeignetsten Spermien auszuwählen. Nun kommt es zur eigentlichen intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI): Die Samenzelle wird direkt in die Zellflüssigkeit der Eizelle gespritzt. Diese Eizellen werden nun drei bis fünf Tage lang zu Embryonen entwickelt und beobachtet.  Anschliessend überführt Ihr Hirslanden-Arzt ein bis zwei Embryonen zurück in die Gebärmutter der Frau (Embryotransfer). Haben sich weitere Embryonen gut entwickelt, so werden sie auf Wunsch in flüssigem Stickstoff eingefroren, im Labor gelagert und stehen Ihnen für eventuelle weitere Behandlungen zur Verfügung.

Neue Möglichkeiten

Seit September 2017 ist es in der Schweiz möglich, Embryonen genetisch zu untersuchen, bevor man sie der Frau einsetzt (Präimplantationsdiagnostik). Auf diese Weise kann das Risiko für Fehlversuche, Fehlgeburten und Zwillingsschwangerschaften deutlich reduziert werden. Diese Methode eignet sich vor allem für Frauen über 38 und für Paare, die schon Fehlversuche und Fehlgeburten erlitten haben.

Erfolgsrate

Bei normaler Spermienqualität ist die Schwangerschaftsrate mit ICSI vergleichbar mit der einer herkömmlichen IVF. Jedoch lassen sich mit ICSI die Fälle vermeiden, in denen mit herkömmlicher IVF trotz normaler Samenuntersuchung gar keine Eizellen befruchten.

Ist die Fruchtbarkeit des Mannes eingeschränkt oder sind vorherige IVF-Behandlungen fehlgeschlagen, sollte auf jeden Fall die ICSI-Methode gewählt werden.

Unsere Hirslanden-Spezialisten des Labors „Gyné invitro“ haben bei ICSI Behandlungen im Jahr 2015 eine Schwangerschaftsrate von 50.4% erzielt, womit es an der Spitze der anonymen Schweizer Statistik lag. Ihr Hirslanden-Arzt berät Sie gerne und spricht mit Ihnen über Ihre Wünsche und Erwartungen.

Risiken

Eine künstliche Befruchtung führt nicht automatisch zu einer Schwangerschaft, und ein unerfüllt bleibender Kinderwunsch kann eine seelische Belastung für die betroffenen Paare sein. Ihr Hirslanden-Arzt wird deshalb vor einer möglichen Behandlung immer das Gespräch mit Ihnen und Ihrem Partner suchen, um Ängste, Sorgen und Erwartungen zu besprechen und über das weitere Vorgehen aufzuklären.

Zur Gewinnung der Eizelle muss ein kleiner ambulanter Eingriff in Kurznarkose durchgeführt werden. Hier müssen die seltenen Risiken von Eizellpunktion und Kurznarkose in Betracht gezogen werden.

Voraussetzungen

Um eine IVF- oder ICSI-Behandlung durchführen zu können, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • Basisdaten vorhanden (Hormonuntersuchung der Frau, Ultraschall, Samenprobe)
  • Alter der Frau maximal zwischen 42-44 Jahre, Alter des Mannes maximal zwischen 60-65 Jahre
  • Stabile Partnerschaft (das Paar muss nicht verheiratet sein)
  • Negativer HIV-Status beider Partner
  • Immunität gegenüber der Viruserkrankung Röteln bei der Frau (durchgemachte Erkrankung oder erfolgte Impfung)
  • Eine Selektion von Embryonen nach Geschlecht oder äusseren Merkmalen ist in der Schweiz gesetzlich verboten